Im Rahmen des Editionsprojekts »Die DDR im Blick der Stasi« werden die Inlandsberichte, die das MfS für die Information der SED-Führung verfasste, jahrgangsweise herausgegeben. Seit der Veröffentlichung des ersten Jahrgangsbandes im Jahr 2009 wurden die Kommentierung sowie die technische Umsetzung weiterentwickelt.
Die geheimen Stasi-Berichte an die SED-Führung über die DDR werden bis auf wenige Ausnahmen vollständig ediert. Nicht aufgenommen werden die vorwiegend von der Hauptverwaltung A, dem Auslandsgeheimdienst des MfS stammenden Berichte über die Bundesrepublik und das Ausland.[1] Eine weitergehende Auswahl findet nicht statt.[2] Die Dokumente sind in der Edition – unabhängig von ihrer Zugehörigkeit zu einer Berichtsserie (»Informationsdienst«, »Analysen«, »Informationen«, »O-Reihe« und »K-Reihe«) – chronologisch sortiert. Dabei sind Nummerierung und Datum nicht immer kongruent. Sortierkriterium ist das Datum.
Die Edition erscheint jahrgangsweise und wird als Hybrid-Projekt publiziert. Neben einer Auswahledition in Buchform wird das gesamte edierte Textkorpus inklusive der jeweiligen Einleitung ein Jahr nach Erscheinen des jeweiligen Jahrgangs unter www.ddr-im-blick.de publiziert.
Kommentierung
Die möglichst knappe Kommentierung soll den historischen Kontext verständlich machen und eine Orientierungshilfe für die Nutzerinnen und Nutzer sein. Der Kommentar erläutert kurz Begriffe, Ereignisse und Sachverhalte, die aus dem Bericht nicht verständlich werden und ergänzt diese unter Umständen durch Hinweise auf einschlägige Forschungsliteratur. Darüber hinaus werden textkritische Hinweise gegeben sowie erwähntes veröffentlichtes Schriftgut bzw. audio-visuelle Medien nachgewiesen. Personennamen werden generell erläutert, wobei die Kommentierung sich auf die Angabe des Geburtsjahres sowie die zentralen Ämter, Funktionen und beruflichen Stationen im Leben der Person beschränkt.[3] Weitere Angaben erfolgen, wenn sie für den historischen Kontext des jeweiligen Dokumentes von Belang sind. Fehlende biografische Angaben sind darauf zurückzuführen, dass sie sich nicht mit vertretbarem Aufwand ermitteln ließen.
Um jedes Dokument für sich verständlich zu machen und eine Häufung von Querverweisen zu vermeiden, wird jedes Dokument eigenständig kommentiert. Deshalb werden manche Fußnoten gleichen Inhalts in mehreren Dokumenten wiederholt.
Einige typische verschleiernde MfS-Floskeln tauchen in den Dokumenten immer wieder auf. Steht beispielsweise in einem Bericht, dass dem MfS etwas » intern bekannt wurde«, bedeutet dies in der Regel, dass die Informationen mit nachrichtendienstlichen Mitteln, häufig durch inoffizielle Mitarbeiter, erlangt wurden. Die Formulierung »Diese Information ist wegen Quellengefährdung nur zur persönlichen Kenntnisnahme bestimmt« deutet ebenfalls darauf hin, dass die Erkenntnisse aus geheimen Informationen von inoffiziellen Mitarbeitern bzw. mit geheimdienstlichen Mitteln gewonnen wurden.
Wiedergabe der Berichte
Die Berichte werden vollständig inklusive Titel, Text, Datumsangabe, Verteiler, Vermerken und Anlagen ediert. Ab Ende der 1950er-Jahre wurde für die Berichte ein vorgedrucktes Formblatt verwendet, das den Zusatz »Streng geheim! Um Rückgabe wird gebeten!« im Kopf führt. Der stereotype Text des Formblattes wird in der Edition nicht reproduziert. Sofern den Berichten Fotos oder Grafiken als Anlagen beigefügt sind, werden diese in der Regel kurz beschrieben – wenn sie sehr aussagekräftig sind und dies rechtlich möglich ist, auch abgebildet.
Der Text der Berichte wird weitestgehend im Originaltextfluss publiziert. Abgewichen wird davon durch das Ignorieren von Seitenumbrüchen sowie durch die Tilgung von inhaltslosen bzw. -schwachen Leerzeilen, Zeilenumbrüchen und Worttrennungen. Die Anlagen werden nach den gleichen Regeln behandelt. Deren Überschrift wird – wenn sie vorliegt – wörtlich übernommen, allenfalls ergänzt um fehlende, aber sprachlich notwendige Bestandteile. Bei Anlagen ohne Überschrift werden Titel vergeben, die sich auf den wesentlichen Inhalt des Textes beziehen. Solche Überschriften werden mit eckigen Klammern kenntlich gemacht.
Da die Berichte in ihrer Endfassung archiviert wurden, finden sich in den Originalen nur wenige Streichungen, Zusätze oder Vermerke, die nachzuweisen wären. Die handschriftlichen Notizen am Blattrand sowie bedeutungstragende Unterstreichungen und Hervorhebungen werden in den Fußnoten dokumentiert. In Ausnahmefällen konnten Textteile ermittelt werden, die nicht in die Endfassung eingingen; diese werden am Ende des Berichtes nachgewiesen, um die Genese des Textes transparent zu machen.
Die Rechtschreibung ist der heute gültigen angepasst. Einfache Tipp- bzw. Schreibfehler werden stillschweigend korrigiert. Stark abweichende fehlerhafte Schreibweisen werden in Fußnoten angezeigt. Von den Bearbeiterinnen und Bearbeitern vorgenommene Einfügungen und Auslassungen sind mit eckigen Klammern gekennzeichnet. Alle Formen der Texthervorhebung in den Dokumenten (Unterstreichung, Sperrung, Versalien usw.) werden durch Kursivierung wiedergegeben. Abkürzungen werden in der elektronischen Version in Tooltips aufgelöst, außerdem steht ein Abkürzungsverzeichnis zur Verfügung. Fremdsprachliche Begriffe, Namen und Eigennamen werden wie im Original, jedoch unter stillschweigender Korrektur eventueller Schreibfehler, wiedergegeben. Einheitlich – nach dem derzeit gültigen Duden – wurde in den Kommentierungen die Schreibweise von »Westberlin« und »Ostberlin« festgelegt.
Dokumentenkopf und Dokumentenapparat
Der Dokumentenkopf setzt sich aus Datum und Titel des Berichtes zusammen. Die Datierung bei der Reihe »Informationen« bezieht sich entweder auf die Ausfertigung durch die ZAIG oder die Bestätigung durch Erich Mielke bzw. dessen Stellvertreter. Undatierte Berichte sind in der Datumszeile durch den Zusatz »[ohne Datum]« kenntlich gemacht. Sofern Erklärungen zum Datum nötig waren, sind diese in der Rubrik »Datum« angemerkt. Dies gilt vor allem, wenn die Datierung fehlt oder unvollständig ist und durch die Bearbeiterinnen und Bearbeiter festgelegt wurde (»Datierung durch den/die Bearbeiter/in«). In diesen Fällen wird zusätzlich ein (genaues) Datum festgeschrieben, das die chronologische Einordnung des Dokuments in die Online-Edition ermöglicht (»Einsortierung«).
Der Titel der »Informationen« wird gleichlautend zum Original wiedergegeben. In der Online-Edition werden zusätzlich von den Bearbeiterinnen und Bearbeiter gebildete Kurztitel angezeigt. Da vor allem in den 1950er- und 1960er-Jahren die Titel der Berichte nicht immer systematisch vergeben wurden, sind diese unter dem Begriff »Information« vereinheitlicht worden. Die Registriernummern der »Informationen« werden in den Titel integriert. Die vom ZAIG-Sekretariat erst bei der Archivierung festgelegten Ablagenummern der Serien O und K werden ebenfalls im Titel nachgewiesen; sie stehen jeweils am Ende in eckigen Klammern. Die Serie »Sonderinformationen« der frühen 1950er-Jahre wird der Reihe »Informationen« zugeordnet. Diese wie auch die in den ersten Jahren bestehende Serie »Analysen« erhalten eine vom Bearbeiter vergebene – in eckigen Klammern stehende – technische Nummerierung (bestehend aus laufender Nummer, Schrägstrich und den letzten zwei Ziffern des Jahrgangs), um die Verwaltung der Berichte in der Online-Edition zu vereinfachen. Das Gleiche gilt für die Vorformen der Serie »Informationsdienst« im Juni 1953, die eine – ebenfalls in eckigen Klammern gesetzte – technische Bezeichnung und Nummerierung erhalten (»Meldung«, [laufende Nummer, Schrägstrich, letzte zwei Ziffern des Jahrgangs]). Die Serie »Informationsdienst« selbst (1953–1957) wird unter den vom MfS vergebenen ein- bis vierstelligen Nummern geführt – in der Online-Edition mit einem Zusatz [Schrägstrich und letzte beide Ziffern des Jahrgangs], um die Zuordnung zum jeweiligen Berichtsjahrgang zu gewährleisten.
Der Dokumentenapparat gliedert sich in folgende Unterpunkte: Quelle, Serie, Verteiler (mit aufgeschlüsselten Namen, sortiert nach MfS-extern und -intern), Datum, Vermerke, Bemerkungen zu allen übrigen Fakten, Nachweis der Anlagen sowie Verweise, die sich auf ein anderes, gesamtes Dokument im direkten Ereigniszusammenhang beziehen. Verweise, die nur auf einzelne Sachverhalte Bezug nehmen, werden in den Fußnoten nachgewiesen. Die Verweise sind in der Online-Edition verlinkt.
Schutz personenbezogener Daten
Nach dem »Gesetz über die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik« (StUG) notwendige Anonymisierungen werden durch eckige Klammern kenntlich gemacht. Bei der in einigen Fällen unvermeidlichen Streichung längerer Passagen werden die Sachverhalte in eckigen Klammern kurz paraphrasiert. Gemäß § 32 a StUG werden Personen der Zeitgeschichte, Inhaber politischer Funktionen und Amtsträger, die in den edierten Berichten vorkommen, vorab darüber informiert, welche Angaben zu ihnen veröffentlicht werden sollen. In der Regel wird in solchen Fällen auch darum gebeten, Anmerkungen oder Ergänzungen zu den Berichten zu machen. Die erhaltenen Rückmeldungen werden bei der Kommentierung berücksichtigt. In den Fällen, für die das StUG die Veröffentlichung von personenbezogenen Daten an die Zustimmung der betroffenen Person knüpft, ist diese erbeten worden.
Funktionen der Online-Edition
Die Online-Edition für die Berichte bietet zwei unterschiedliche Zugänge zu den Dokumenten an: den Zugriff auf den einzelnen Jahrgang und die Volltextrecherche im gesamten Textkorpus. Darüber hinaus gibt es eine Reihe weiterer Servicefunktionen, die die Benutzung und Auswertung der Dokumente für die Nutzerinnen und Nutzer erleichtern. Bei Anklicken des einzelnen Jahrgangs öffnet sich das jeweilige Vorwort. In der rechten Seitenspalte sind die jeweilige Einleitung, die Faksimiles zum Jahrgang und die edierten Dokumente verlinkt. Die Unterseite »Dokumente« ist monatsweise geordnet und beinhaltet alle erfassten Berichte. Die einzelnen Dokumente sind innerhalb der monatlichen Auflistung nach Datum sortiert und mit Registriernummer und Kurztitel aufgelistet. Die in den Dokumenten verwendeten Abkürzungen werden durch Mouseover aufgelöst, können aber auch unter dem Reiter »Abkürzungen« nachgeschlagen werden. Informationen zur Suche finden sich auf einer Hilfeseite. Suchergebnisse können nach Suchbereich (Dokumente, Einleitungstexte etc.), Jahrgang, Serie und Zeitraum gefiltert werden. Die Sortierung ist nach Relevanz oder chronologischer Auflistung wählbar.
[2] In manchen Fällen ließen sich Berichte, die in den Titelübersichten der ZAIG-Berichte erscheinen (vgl. BArch, MfS, ZAIG 14383 – 14390) nicht ermitteln. Darüber hinaus wurden diejenigen von der ZAIG erstellten Informationen nicht in das Editionskorpus aufgenommen, die eindeutig außenpolitische Sachverhalte zum Thema haben. Gleichzeitig wurden in wenigen Fällen von der ZAIG verteilte, aber von der HV A erstellte Informationen zu innenpolitischen Themen, etwa der Leipziger Messe, mit aufgenommen.
[3] Im Jahrgang 1976 wurde keine Kommentierung der Personen vorgenommen. In den Jahrgängen 1988, 1961, 1977 und 1953 wurden nur ausgewählte Personen mit knappen Angaben kommentiert. Personennamen in Anlagen zu Berichten werden bis auf wenige Ausnahmen nicht kommentiert.