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Tagung des DDR-Regionalausschusses der CFK

1. Oktober 1968
Einzelinformation Nr. 1092/68 über die Tagung des Regionalausschusses der »Prager Christlichen Friedenskonferenz« (PCF) der DDR am 20. September 1968 in Berlin

Wie das MfS in der Einzelinformation Nr. 1049/68 vom 18.9.1968 berichtete, fand bereits am 9.9.1968 im Stephanus-Stift in Berlin-Weißensee eine Tagung der »PCF«1 der DDR statt. Während dieser Tagung wurde ein Schreiben des Schweizer Regionalausschusses der »PCF« vom 26.8.1968, gerichtet an den Vorsitzenden des Regionalausschusses der »PCF« in der DDR, behandelt, in dem um »Aufklärung« über die Situation in der ČSSR und die von den Warschauer Vertragsstaaten getroffenen Sicherungsmaßnahmen2 gebeten wurde. Nach einer heftigen Debatte über die Ereignisse in der ČSSR war beschlossen worden, dass Pfarrer Frielinghaus3/Dresden ein Antwortschreiben an den Schweizer Regionalausschuss entwirft und diesen Entwurf Carl Ordnung4/Berlin, leitendes Mitglied des Regionalausschusses der »PCF« in der DDR, zuleitet, der die Vervielfältigung an alle Mitglieder des Regionalausschusses der DDR zur schriftlichen Stellungnahme veranlassen sollte.

Wie dem MfS dazu jetzt weiter bekannt wurde, befasste sich die erneute Tagung des Regionalausschusses der »PCF« der DDR am 20.9.1968 ausschließlich mit der Endabfassung des Antwortschreibens an die Schweizer Arbeitsgruppe.

An der Tagung nahmen teil:

  • Domprediger a. D. Karl Kleinschmidt,5 Schwerin,

  • Günter Wirth,6 Berlin, Redakteur der »Neuen Zeit«,

  • Superintendent Funke,7 Dahme/Mark,

  • Pfarrer Frielinghaus, Dresden,

  • M. Kramer,8 Magdeburg,

  • Elisabeth Adler,9 Evangelische Akademie Berlin,

  • Studentenpfarrer Klaus-Peter Hertzsch,10 Berlin, Leiter der Geschäftsstelle der Evangelischen Studentengemeinde in Berlin,

  • Prof. Bandt,11 Greifswald,

  • Pfarrer Wolf-Dietrich Gutsch,12 Berlin,

  • Prof. Bernhard,13 Rostock,

  • Prof. Bassarak,14 Berlin,

  • Otto Hartmut Fuchs,15 Berlin, Redakteur der »begegnung«,

  • Carl Ordnung, Berlin, Mitglied des Regionalausschusses der DDR,

  • Pfarrer Orphal,16 Magdeburg.

Vor dieser Tagung wurden von Pfarrer Orphal/Magdeburg, Superintendent Funke/Dahme/Mark, Kramer/Magdeburg, Prof. Bandt/Greifswald und Prof. Bassarak/Berlin schriftliche Stellungnahmen zu dem von Pfarrer Frielinghaus/Dresden gefertigten Entwurf des Antwortschreibens an die Schweizer Arbeitsgruppe eingereicht.

Während Prof. Bandt zur Tagung einen eigenen Briefentwurf mitbrachte, war offensichtlich, dass sich Orphal, Kramer, Hertzsch und Elisabeth Adler bereits vor der Tagung gegen den Entwurf des Briefes von Frielinghaus geeinigt hatten.

Der Versuch dieser Gruppe, eine allgemeine Debatte gegen den Brief von Frielinghaus einzuleiten, wurde von Prof. Bassarak mit dem Hinweis unterbunden, dass jeder Gelegenheit gehabt hätte, sich schriftlich zum Entwurf von Frielinghaus zu äußern; es käme jetzt lediglich darauf an, den bereits redigierten Entwurf zu beraten und zu beschließen.

Prof. Bandt forderte, seinen Entwurf verlesen zu dürfen, was auch gestattet wurde. Daraufhin schlug Klaus-Peter Hertzsch vor, beide Fassungen in die Schweiz zu senden. Eine Abstimmung ergab

  • sechs Stimmen für den Entwurf von Frielinghaus,

  • vier Stimmen für die Versendung beider Fassungen,

  • drei Stimmenthaltungen.

Nach dieser Abstimmung gab es von mehreren Teilnehmern der Tagung Einwände, es könnten nicht zwei Fassungen in die Schweiz gesandt werden, da sonst vor diesem Gremium die bestehenden Differenzen in der »PCF« der DDR offenkundig würden; man müsse sich auf eine der beiden Fassungen einigen. Danach kam es zu einer erneuten Abstimmung mit dem Ergebnis

  • acht Stimmen für den Brief von Frielinghaus

  • fünf Gegenstimmen (Orphal, Kramer, Hertzsch, Adler, Funke)

  • eine Stimmenthaltung (Prof. Bandt).

Der von Frielinghaus entworfene Brief sollte nach der Tagung mit einem von Karl Ordnung zu fertigenden Begleitschreiben in die Schweiz gesandt werden. (Der Brief von Frielinghaus befindet sich im vollen Wortlaut in der Anlage.)

Diese Information ist aufgrund der Quellengefährdung nicht für eine öffentliche Auswertung geeignet.

Anlage

10 Blatt17

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    8. Oktober 1968
    Einzelinformation Nr. 1112/68 über die Tagung der Teilsynode der sogenannten Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vom 2. bis 4. Oktober 1968 in Halle
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    1. Oktober 1968
    Information Nr. 1091/68 über Vorstellungen des wissenschaftlichen Mitarbeiters des Westberliner Otto-Suhr-Instituts, Dr. Theodor Ebert, über »gewaltfreien Widerstand, gewaltfreie Aktionen, gewaltfreien Aufstand«